Durch die Entwicklung von Remote-Technologien während der Pandemie sind globale Verbindungen rasant gewachsen – und damit auch die Möglichkeiten für internationale Kommunikation sowie die Nachfrage nach Übersetzung und Dolmetschen aus solchen Gelegenheiten. In den letzten Jahren sehe ich immer mehr Stellenanzeigen für hausinterne Übersetzer:innen. Gleichzeitig tauchen dieselben Anzeigen aber ständig wieder auf. Das könnte bedeuten, dass entweder die benötigte Anzahl an Leuten nicht erreicht wird oder es einfach schwer ist, Kandidat:innen zu finden, die wirklich alle Anforderungen erfüllen. In Japan gibt es zwar inzwischen mehr junge Menschen, die offener für Sprachen sind oder sich gut in Fremdsprachen verständigen können als früher, aber es gibt viele Faktoren, die verhindern, dass Personal speziell für sprachbezogene Aufgaben abgestellt wird. Einer davon ist der Fachkräftemangel.
Der Mangel an Arbeitskräften betrifft jede Branche, und es gibt Aufgaben, die höher priorisiert werden. Deshalb übernehmen manche Leute Übersetzungen als Nebentätigkeit neben ihren eigentlichen Hauptaufgaben. Das führt dazu, dass nicht immer alle Übersetzungsarbeiten erledigt werden können – weshalb das Outsourcing von Übersetzungen weiterhin gefragt bleibt (dafür bin ich als Freelancer sehr dankbar ). Tatsächlich sind Anfragen für Übersetzungen, bei denen es nur um das grobe Verständnis geht, stark zurückgegangen. Aber Aufträge von Kund:innen, die wollen, dass wir „zwischen den Zeilen lesen“ und mehr übersetzen als wörtlich steht, kommen nach wie vor regelmäßig rein.
Zurück zum Fachkräftemangel: Ich habe eine statistische Schätzung gesehen, wonach Japans Bevölkerung in 50 Jahren nur noch etwa zwei Drittel der heutigen Größe betragen wird (aktuell ca. 122–123 Millionen, Prognosen für 2070/2075 liegen bei rund 87 Millionen im mittleren Szenario). Allein national betrachtet halte ich eine weitere starke Entwicklung der KI für absolut unverzichtbar – sowohl physisch (z. B. Roboter für Service, Pflege, Lagerarbeit usw.) als auch virtuell (wie Agentic AI). Nur so können wir den Arbeitskräftemangel ausgleichen.
Bei einer geschätzten Bevölkerung von 80 Millionen in 50 Jahren: Solange Japan – und die japanische Wirtschaft – aus weltweiter Sicht wertvoll bleibt, wird der Markt für die japanische Sprache irgendwie weiter existieren. Aber in 400 oder 500 Jahren? Die japanische Sprache könnte in 900 Jahren verschwinden. Es ist eine ferne Zukunft, die ich nie erleben werde, aber wenn ich darüber nachdenke, fühlt es sich unglaublich traurig an. 😢

